Chronologie

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#2015

Mut zu Europa: Am 11. Dezember 2015 wurde „Bochums neues Wahrzeichen“ der Öffentlichkeit übergeben. 14.726 Namen stehen für ebenso viele Versprechen, und jedes von ihnen lautet anders. Was haben die vielen Menschen aus Bochum und aus aller Welt versprochen? Was könnte mein Versprechen sein? Wer in Zukunft über den Platz geht und im „Meer der Namen“ innehält, wird die Einladung zum eigenen Beitrag hören.

> Jochen Gerz: Mut zu Europa
Rede zur Eröffnung des Platz des europäischen Versprechens, 11.12.2015


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#2015

Die Einschreibung der Namen schreitet fort. Der Platz des europäischen Versprechens soll im Dezember 2015 fertig sein. Während sechs Monaten werden Tag und Nacht 185.000 Buchstaben in die riesigen Steinplatten eingraviert, die Europas neuen Platz im Stadtzentrum von Bochum füllen werden. Selbst in ferner Zukunft, wenn kein Teilnehmer mehr lebt, werden die Namen eine Hommage an das Versprechen lebender Menschen sein.
Was erwarten wir von Europa? Was erwarten wir von uns selbst? Wie sieht ein Platz aus für etwas, das es noch nicht gibt, ein Platz, der uns an die Zukunft erinnert? Im Dezember werden wir es wissen.


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#2014

Wieder einmal ist die Realisierung des Platz des europäischen Versprechens in Sicht. Nach zehn Jahren wird ein kleines Stück Imagination Wirklichkeit. 14.726 Menschen werden ein Versprechen gegeben haben, das sich auf Europa bezieht, und das sie für sich behalten. Ihre Namen werden in 21 Basaltsteinplatten graviert, die in Bochum auf dem Platz des europäischen Versprechens verlegt werden. Die Steine aus Armenien sind zur Beschriftung in Deutschland eingetroffen.


#2013

Die letzte Hürde wird genommen. Im Winter 2013 finden die Beteiligten  –  Künstler und Auftraggeber (das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Bochum und die Evangelische Kirche)  –  einen Weg, die Förderung der restlichen Steinplatten und die Einschreibung aller 14.723 Teilnehmernamen zu sichern. Die Stadt Bochum beschließt die Fertigstellung des Platz des europäischen Versprechens.


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#2012

Der kreative Prozess steht still. Der Platz des europäischen Versprechens liegt da, als träume er. Ein Platz zum Vergessen für die einen, für andere ein Ärgernis und eine Kunstruine.


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#2011

Das Kulturhauptstadtjahr ist vorüber. Über 14.000 Menschen haben ihr Versprechen gegeben, doch die Zukunft des Platz des europäischen Versprechens ist ungewiss. Niemand weiß, wie die Steine, die ihre Namen aufnehmen sollen, zu bezahlen sind. Die lokale Presse fordert den Abbruch oder gar den Rückbau der Arbeit.


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#2010

Im Sommer 2010 rollen die Bagger an. Trotz Haushaltssperre werden die städtebaulichen Arbeiten erledigt. Der Platz wird vorbereitet für die Kunst, sogar das Licht von Laurent Fachard (Die Brücke von Avignon, der Elysée-Palast) kann installiert werden, Am letzten Tag des europäischen Kulturhauptstadtjahrs 2010 sollte der Platz des europäischen Versprechens eingeweiht werden, doch die Felder für die Namen bleiben leer. Die Kunst, der Platz mit seinen Teilnehmern aus vielen Ländern und ihre Versprechen sind eine Erblast besserer Zeiten.


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#2009

Europatag 2009. Der Grundstein zum Platz des europäischen Versprechens ist gelegt. Viele hunderte Teilnehmer, unter ihnen EU-Parlamentspräsident Hans-Gerd Pöttering und Bundestagspräsident Norbert Lammert, feiern den zukünftigen neuen Platz. Doch schon im Herbst wird die Haushaltssperre, die Bochum schon länger bedrohte, Wirklichkeit. Kurz vor Beginn der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 steht in den Sternen, ob die Arbeit  jemals fertig gestellt wird. Immer mehr Medien berichten über die Versprechen, die niemand kennt, und die Namensplatten, die keiner bezahlen kann.

> Jochen Gerz: Danke sagen ist wichtiger als zu wissen wofür
Rede zum Europatag 2009 auf dem Platz des europäischen Versprechens


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#2009

Die erste Basaltplatte mit 600 Namen wird innen im Turm der Christuskirche verlegt. Das Bodenmaß des Turms ist die Matrix für alle Steinplatten, die draußen den Platz mit Namen füllen sollen. Die Wahl von armenischem Basalt ist das Ergebnis langer Prüfungen. Die Buchstaben sind 10 mm tief in den Stein eingefräst und wurden anschließend mit mattweißem Epoxidharz wieder aufgefüllt.


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#2008

Europatag 2008. Fast 1000 Menschen versammeln sich vor der Kirche, darunter auch immer mehr Migranten, die den künftigen Platz des europäischen Versprechens entdecken. Auf Schalke gibt ein junger Torwart sein Versprechen. „Fußball ist jede Woche Hauptstadt Europas“, sagt Manuel Neuer. Die europäische Kulturhauptstadt Ruhr.2010 nimmt das Kunstwerk als offiziellen Beitrag der Stadt Bochum in ihr Programm auf.


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#2007

Der künstlerische Prozess beginnt. Die Einladung zur Teilnahme geht dank der Medien an die Öffentlichkeit, die ersten Teilnehmer kommen aus Bochum. Menschen aus dem Ruhrgebiet und bald auch aus vielen Ländern jenseits der deutschen Grenzen geben ein Versprechen. Europa ein Versprechen geben, das ist die Losung. Die Idee zieht Kreise. Die Teilnehmer sprechen viele Sprachen und kommen aus ganz verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Der Platz des europäischen Versprechens wird europäisch.


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#2006

Jochen Gerz erhält von der Stadt Bochum den Auftrag, das Konzept für einen neuen Platz zu entwickeln. Die Stadt reicht das Konzept Platz des europäischen Versprechens beim Städtebau-Wettbewerb des Landes Nordrhein-Westfalen ein. Das Land prämiert das Konzept und stellt, damit es entwickelt werden kann, eine Grundfinanzierung bereit. Die Stadt verdoppelt den Betrag, das Startkapital für den neuen Platz ist gesichert.


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#2005

Im Turm der Christuskirche, die den Platz säumt, fand Gerz die Namen von 28 Staaten. Erstaunt erfuhr es, dass es sich in dieser „Gedenkhalle“ um die Liste der „Feindstaaten“ Deutschlands handelte, ein Mosaik, das 1931 den Vertrag von Versailles und die Niederlage des Reichs im ersten Weltkrieg stigmatisierte. In einer Kirche. Später sagte er: Der Besuch im Turm der Kirche hat mir die Idee gegeben.

> Jochen Gerz: Platz des europäischen Versprechens
Rede zu den 49. Stadtgesprächen Bochum


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#2004

Ein Platz wie andere Lücken im Ruhrgebiet; ein Platz, der kein Platz sein sollte. Ein deutscher Nachkriegsort, der nicht viel mehr ist als eine Folge des zweiten Weltkriegs. Zwischen Stahlwerk und Brauerei ist im Zentrum der zerstörten Stadt Bochum neben dem Rathaus ein Platz entstanden. Ein Parkplatz.

Am Anfang des langen Wegs steht die Entscheidung, ein interdisziplinäres Symposium zum Thema zu organisieren. Ein Intendant, ein Architekt, ein Stadtbaurat, ein Philosoph, ein Medienwissenschaftler, eine Landschaftsplanerin, ein Pfarrer, eine Kunsthistorikerin, ein Umwelt-Psychologe und ein Künstler suchen gemeinsam nach einer Lösung (Nicht-Ort: griech. Utopia). Ernüchterndes Ergebnis: Dieser Ort lässt sich nicht „reparieren“. Jochen Gerz fragt: Kann man dem Platz eine Bedeutung geben?