Ein Steinbruch im Kaukasus

Basaltsteinbruch in Armenien

 

Ein Blick hinein: Es geht um alle, die mitmachen, um den Grund und um den Untergrund, um die Basis, die Idee und ihr Material. Armenien ist ein kleiner Staat, der nicht zur EU gehört, geographisch aber ein Teil von Europa ist.

In den Bergen Armeniens soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein. Die Fundstelle, der 5165 Meter hohe Berg Ararat, liegt heute im Osten der Türkei. Das Stück Holz der Arche, das ein Mönch namens Jakob im 4. Jahrhundert fand, ist heute eine in der armenischen Kirche verehrte Reliquie. Armenien – ein Land zwischen Christentum und Islam an der Grenze von Europa und Asien.

Seit Ende des Kommunismus wird hier demokratisch regiert, aber trotzdem ist vieles anders als bei uns. Staatsangestellte verdienen 200 Euro im Monat und müssen zusehen, wie sie sonst noch zu Geld kommen. Einer von ihnen ist Gevorg Khachatryan. Er ist parlamentarischer Mitarbeiter in Fragen, die sich auf die deutsch sprechenden Euro-Länder beziehen. Gevorg spricht fließend deutsch und hat auch schon am Bundestag hospitiert.

An der Universität lernte Gevorg Khachatryan die Heilpraktikerin Sabine Zimmermann kennen, die in Jerewan Mitte der 90er Jahre den Aufbau der Homöopathie initiierte. Gevorg wurde ihr Übersetzer für das einschlägige Lehrmaterial. Als die Arbeit abgeschlossen war, fragte sie der damals 22-Jährige, ob Sabine Zimmermann Kontakte nach Deutschland zu Steinlieferanten hätte. Er erzählte ihr von dem Steinbruch, den er besaß, und dass er hoffte, hiermit Geld zu verdienen.

Zimmermann war es, die ihn mit Gert Schöllhammer zusammenbrachte. Der Schwabe importiert Naturstein aus China und Indien. Ein Mann, der keine Angst hat, neue Wege zu gehen: „Ich habe mir irgendwann mal die Regel gesetzt, jedes Jahr in ein Land zu fahren, das ich noch nicht kannte.“

1999 fuhr Schöllhammer nach Armenien. Eigentlich war er ja auf der Suche nach Tuff, einem porösen Stein, der aus eruptiver Lava entsteht. Als er sich mit Gevorg an dessen Tuff-Steinbruch traf, fiel ihm ein ganz anderes Gestein ins Auge: Basalt in riesigen Klumpen, sogenannten Boldern. Lava, die hier vor rund 10.000 Jahren aus einer tiefen Erdspalte hervorgeflossen sein musste.

Weil zu porös, sei Basalt in Armenien nicht gefragt, sagte Gevorg. Schöllhammer wusste, dass der dunkle Stein genau deswegen leichter war, dennoch massiv und in Deutschland viele Käufer fand. So große Blöcke hatte er noch nie gesehen. Er machte Probebohrungen, brachte Geologen und Gutachter an den Steinbruch, um das Vorkommen zu definieren.

Ergebnis: Basalt in der hier vorgefundenen Dimension ist sehr selten. In den meisten Fällen kühlte die eruptierte Lava schnell aus. Fand die Abkühlung verzögert statt, konnten auch meterlange sechseckige Säulen entstehen, die sich senkrecht auftürmten.

30 km östlich der Hauptstadt Armeniens Jerewan hat die Lava solche 200 Meter hohen „Orgelröhren“ entstehen lassen. Die Garni-Schlucht wird auch „Symphonie der Steine“ genannt und zieht jedes Jahr Tausende von Touristen an. Am Ende der nahe gelegenen Azat-Schlucht befindet sich das Höhlenkloster Geghard aus dem 13. Jahrhundert. Es ist teils gemauert, teils aus einem riesigen Monolithen herausgehauen – ein UNESCO Weltkulturerbe.

Es dauerte noch ein Jahr, bis sich die beiden Männer, der Steinbruchbesitzer und der Steinhändler, einig wurden. Es dauerte zwei weitere Jahre, bis die Schürfrechte vom Staat erworben waren, ein zusätzliches Jahr, bis das nötige Geld zusammen war, um einen Bagger anzuschaffen, zwei anschließende Jahre, um zwei Zufahrtsstraßen zu bauen. Und noch ein Jahr war nötig, eine (patentierte) Methode zu entwickeln, um Tausende Namen in Basalt einzugravieren – die Namen der Teilnehmer am Platz des europäischen Versprechens in Bochum. Die Arbeit am Basalt aus Armenien beginnt jetzt. Zu Platten geschnitten und quer durch Europa transportiert, soll er in der Eiffel beschriftet zu werden. Wer sind die fast 15.000 Teilnehmer und was ist ihr Beitrag?

Isabelle Reiff