10 mm tief in Stein fräsen

Produktion der ersten Steinplatte mit Namen bei Steinmetz Treulieb, 2009

Produktion der ersten Steinplatte mit Namen bei Steinmetz Treulieb, 2009

Basalt, Epoxidharz und mehr als 14.000 Versprechen. Sechs Jahre hat es gedauert, ein Verfahren zu entwickeln, den Platz des europäischen Versprechens mit den Namen seiner Autoren zu versehen. Viel länger soll dauern, was sie bedeuten. Doch nur die Namen werden in Basaltstein graviert.

Viele Ideen führen zum Platz des europäischen Versprechens: Am Anfang stand die Idee des Künstlers. Was kam zusammen? Jochen Gerz inspirierte ein Besuch vor Ort, die Stadt Bochum beauftragte einen neuen Platz und die Christuskirche mit ihrer Kapelle im Turm und der ominösen „Liste der Feindstaaten Deutschlands“ führte beim Künstler zur Idee.

Doch 200 m neben dem Rathaus würde kein neuer Platz entstehen, wenn die Einladung von Jochen Gerz auf taube Ohren gestoßen wäre. 15.000 Menschen aus vielen Teilen Europas leisten einen ganz ungewöhnlichen Beitrag und geben dem Platz Sinn und Bedeutung. Jeder von ihnen gibt ein individuelles Versprechen, leistet einen persönlichen kreativen Beitrag, der Europa bereichert. Keiner weiß, was der andere verspricht. Was könnte mein Beitrag sein? Die Versprechen bleiben unsichtbar, doch die Namen zeugen von der Vielstimmigkeit, von der Vielfalt, die ein demokratisches Gemeinwesen bestimmt.

Auch bei der Realisierung des Platzes waren Ideen gefragt. Der Beitrag des Steinimporteurs Gert Schöllhammer sind die Platten aus armenischem Basalt. Luigi Falconi, Steinexperte und Freund, half ihm dabei, eine Methode für die Fräsung der vielen Namen zu finden.

Die Porösität der Basaltplatten, die auf dem Platz im Freien liegen, stellt einige Denkaufgaben und bietet zugleich Vorteile: Gegenüber Marmor zum Beispiel dehnt sich Basalt bei Temperaturschwankungen kaum aus. Schöllhammer hielt temperaturstabiles Epoxidharz darum zur Versiegelung geeignet. Im porösen Basalt könne sich dieses Material – so nahm er an – festsetzen und drohe nicht, wie bei anderem Gestein, herauszubrechen.

Luigi Falconi stand der Idee zuerst kritisch gegenüber. Schöllhammer glaubte ferner es sei möglich, in den armenischen Basalt exakte Zeichen zehn Millimeter tief hineinzufräsen. Der Stein ginge entzwei, war Falconi sich dagegen sicher. Erst die Probe aufs Exempel überzeugte den italienischen Experten.

Das war ein Etappensieg auf dem Weg zu insgesamt 63 Basaltplatten à 2 x 1,3 Metern, jede von ihnen mit weit über 200 Namen versehen, die in der Innenstadt Bochum über eine lange Zeit allen erdenklichen Belastungen standhalten sollen. Alltagstauglich musste die Lösung sein.

Um sicher zu sein, dass Epoxidharz und Basalt die gedachte perfekte Verbindung eingehen, setzte Schöllhammer die Werkproben über drei Jahre hinweg Temperaturwechseln aus, legte sie ins Gefrierfach, kochte sie im Suppentopf, vergrub sie im verschneiten Garten. Als er schließlich sicher war, dass das Verfahren funktionierte, ging er mit den Musterstücken zum Patentamt und ließ sich seine Idee patentieren.

Auch Gert Schöllhammer hat ein Versprechen gegeben. Sein Name findet sich irgendwo auf dem Platz des europäischen Versprechens wieder. Keiner weiß, was er versprochen hat. Man wird es sich vorstellen müssen, denn sein Name wird noch lange lesbar sein.