„Feindstaat Polen, Feindstaat Portugal, Feindstaat Rumänien“

Foto: Guido Meincke

Foto: Guido Meincke

28 Staatennamen sind am Portal der Christuskirche Bochum aufgeführt. Frankreich Russland Italien …    die „Feindstaaten Deutschlands“. Wer durch sie hindurch tritt, gelangt in eine „Helden-Gedenkhalle“, sie wurde 1931 eingeweiht. Heute beginnt hier der Platz des europäischen Versprechens.

Die vollständige Liste der Staaten, die im Turm der Kirche als Mosaik gestaltet sind,  lautet:

Frankreich Russland Italien Japan V. St. v. Nordamerika England Belgien Bolivien Brasilien China Ekuador Griechenland Guatemala Haiti Hedschas Honduras Kuba Liberia Nikaragua Panama Peru Polen Portugal Rumänien Serbien Siam Tschecho Slowakei Uruguay

Diese Liste ist  –  auch in dieser Reihenfolge  –  nahezu identisch mit der Liste derjenigen Staaten, die im Juni 1919 den Vertrag von Versailles unterzeichnet haben. Der Vertrag hat den Ersten Weltkrieg beendet, in weiten Kreisen Deutschlands galt er als „Schandvertrag“, ihn aufzuheben war eine zentrale Forderung der Nationalsozialisten.

Die 28 Vertragspartner von Versailles aber, im Tum der Christuskirche genannt, sind zugleich jene Staaten, die den Völkerbund gegründet haben. Aus ihm, dem Völkerbund, gingen 1946 die Vereinten Nation hervor. Ein paar Spots:

Juli 1925 | In Bochum ruft die Christuskirchen-Gemeinde dazu auf, „unseren gefallenen Helden ein Ehrenmal zu errichten“.

September 1926 | Die Weimarer Demokratie wird in den Völkerbund aufgenommen.

Juni 1929 | Deutschland und die Alliierten verständigen sich auf den „Young-Plan“, er sieht eine wesentliche Reduktion der Reparationszahlungen vor.

November 1929 | Die Nazis und die extreme Rechte versuchen, den Young-Plan mit einem Volksentscheid zu stoppen. Der Versuch scheitert im Dezember 1929, macht Adolf Hitler aber international bekannt. In Bochum beginnen die Arbeiten an der „Helden-Gedenkhalle“.

Januar 1931 | Die Nazis erklären Bochum zu ihrer „Gau-Hauptstadt“.

März 1931 | Die „Helden-Gedenkhalle“ wird mit einem Gottesdienst eröffnet. Für staatliche Anlässe  –  Fahnenweihen, Kriegerehrung o.Ä. – wird diese „Helden-Gedenkhalle“ nie genutzt.

 

Die Deutung des Raumes bleibt uns überlassen.