REDE ZUR ERÖFFNUNG DES PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS

THOMAS EISKIRCH, OBERBÜRGERMEISTER DER STADT BOCHUM | 11.12.2015

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Sehr geehrter Herr Superintendent Dr. Hagmann,
sehr geehrter Herr Prof. Gerz,
sehr geehrter Herr Friese,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Platz des europäischen Versprechens ist fertig!

Zu seiner heutigen Übergabe an die Öffentlichkeit heiße ich Sie alle ganz herzlich willkommen. Mein besonderer Gruß gilt dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Herrn Professor Norbert Lammert, dem Botschafter der Republik Polen, Herrn Dr. Jerzy Margański, sowie der Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtages, Frau Carina Gödecke.

Meine Damen und Herren,

in diesen Tagen, in denen Terror und Gewalt unsere europäische Gesellschaft erschüttern, geht es um ein klares Bekenntnis, wie es in der „Bochumer Erklärung“ zum Ausdruck kommt: „Wir achten uns, gerade weil wir verschieden sind, weil wir verschiedene Ansichten haben, weil wir Konflikte demokratisch regeln und ohne Gewalt.“ Unsere „Bochumer Erklärung“ steht damit für ein Europa der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Unser Europa ist reales Abbild der Vielfalt in einer Einheit. Und gleichzeitig ist unser Europa noch vielmehr. Es ist Ausdruck unserer demokratischen Werte. Dies ist uns allen durch die erschütternden Ereignisse in Paris eindrücklich vor Augen geführt worden. Wir alle sind dazu aufgerufen, uns dazu zu bekennen, ja einander das Versprechen zu geben, dafür einzustehen.

Meine Damen und Herren,

Kunst ist wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Sie umgibt uns überall – auch im öffentlichen Raum. Gerade in Bochum sind wir froh und auch ein bisschen stolz, dass wir eine hohe Anzahl und große Vielfalt von Kunst im öffentlichen Raum besitzen. Diese Orte geben wichtige Impulse und Anstoß zum Nachdenken. Dies gilt sicherlich auch für diesen „Platz des europäischen Versprechens“.

Dieser Ort lädt ein, über Europa nachzudenken; auch über die Frage, was wir uns von Europa versprechen. Meines Erachtens nehmen die europäischen Staaten derzeit leider ihre Verantwortung, Probleme solidarisch zu lösen, nicht in ausreichendem Maße wahr. Die Idee von einem solidarischen Europa wird so nicht gestärkt. Der Platz, den wir heute eröffnen, nimmt uns damit zugleich mahnend in die Pflicht. Nach unzähligen Kriegen und Blutvergießen steht Europa heute für Frieden und Demokratie. Dafür müssen wir uns alle gemeinsam einsetzen. Das ist für mich das eigentliche „europäische Versprechen“! Ihm sollten wir uns gemeinsam verpflichtet fühlen.

Dieser Platz des europäischen Versprechens ist Ihr „Kind“, lieber Herr Gerz. Und zugleich hat er weitere 14.726 Mütter und Väter, die sich alle in den Prozess seiner Entstehung eingebracht haben. Ich möchte aber auch den damaligen Ideengebern, die das Projekt in seinen Anfängen auf den Weg gebracht haben, herzlichen Dank. Stellvertretend möchte ich dabei meinem Vorgänger, Herrn Ernst Otto Stüber, ganz besonders für sein Engagement danken.

Dieses Kunstwerk ist für sich betrachtet mit all seinen Facetten auch ein Abbild unserer mitunter streitbaren Demokratie. Hierfür steht nicht zuletzt der Prozess seiner Entstehung. Der hierbei beschrittene Weg war nicht immer gerade und ohne Konflikte. Doch wir haben das gemeinsame Ziel, diesen Platz zu schaffen, erreicht. Es ist gut, dass es diesen Platz in Bochum gibt. Und ich verbinde damit die Hoffnung, dass er uns und unserer gemeinsamen europäischen Idee gut tun wird.

Der Platz des europäischen Versprechens ist keine politische Initiative oder Stellungnahme. Vielmehr sind die hier in den Stein gravierten Namen Zeugnis für ein ganz individuelles Versprechen. Sie sind ein Zeugnis, ein Denkmal und damit Ausdruck von gelebter Vielfalt.

Meine Damen und Herren,

Prof. Jochen Gerz wurde 1996 von der Stadt Bochum als erster bildender Künstler mit dem Peter-Weiss-Preis ausgezeichnet. In der Jurybegründung von damals findet sich eine Erklärung der Ästhetik seiner Kunst, die vortrefflich das ästhetische Konzept des Platzes des europäischen Versprechens erklärt:

Jochen Gerz sucht „…nach einem Bild für etwas, das kein Bild sein kann. (…)Das gilt (…) auch für seine „invertierten“ Denkmäler, die er (…) als Mahnmale gegen Krieg und Rassismus installiert hat. Gerade diese Werke sind von der Überzeugung getragen, dass Denkmäler zuerst über den Umgang mit der Geschichte etwas aussagen und nur indirekt über die Geschichte selbst. (…) Seine Aufforderung, sich aktiv mit dem gegenwärtigen wie erinnerten Schrecken auseinanderzusetzen statt ihn zu verdrängen, reizt zum Nachdenken und fordert zum Handeln auf.“

Eben dies tut der Platz des europäischen Versprechens hier in Bochum. 14.726 Menschen aus über 1.300 Städten haben ihr Versprechen gegeben. Und ich bin mir sicher, dass sie es stellvertretend für viele andere gegeben haben, die sich ebenfalls Europa verpflichtet fühlen. Einem friedlichen und demokratischen Europa, das zugleich Folge und Antwort auf unsere blutige europäische Geschichte ist. In diesem Sinne ist dieser Platz ein solidarisches Bekenntnis für Freiheit, Demokratie und Frieden sowie eine Ächtung von Gewalt und Terror.

Damit dieser Platz entstehen konnte, waren viele helfende Hände notwendig, denen ich danken möchte. Mein Dank gilt allen voran dem Künstler Jochen Gerz, ohne dessen kreatives Potenzial eine solche Intervention im öffentlichen Raum nicht gelungen wäre. Mein Dank gilt ebenso den Beteiligten der Christuskirche Bochum, der Kirche der Kulturen, die unermüdlich Platz für den Platz in unserem Bewusstsein geschaffen haben. Mein Dank gilt den Beteiligten von Stadt und Land sowie meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus, die sich für das Projekt eingesetzt haben. Und mein ganz besonderer Dank gilt all denjenigen, die sich Platz für ein europäisches Versprechen gemacht haben und ihren Namen gaben. In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir weiter an unserem europäischen Haus der Freiheit, der Solidarität, der Vielfalt und des Friedens bauen und es mit Leben erfüllen.

Und nun bitte ich den Direktor des neuen Museums Weserburg, Herrn Peter Friese, um sein Wort.